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Erik Skopp

Wie sich meine Depression anfühlt

Ein persönlicher Einblick, wie sich meine Depression im Alltag äußert.

Depression,Gesundheit2 Min. Lesezeit
Silhouette von Bäumen vor einer Landschaft im Dämmerlicht
Silhouette von Bäumen vor einer Landschaft im Dämmerlicht

Ich habe mich lange davor gesträubt, diesen Artikel zu schreiben. Ich schreibe ihn ehrlich gesagt aus reinem Eigennutz. Ich möchte mir selbst erklären, warum ich so bin und so denke, wie ich es tue. Über die Zeit haben sich die Symptome immer stärker manifestiert und durchaus geändert.

Angefangen hat das Ganze mit dem Schulwechsel 2015. Aus privaten Gründen bin ich vom Gymnasium Greußen in Thüringen (das es heute nicht mehr gibt) an die Andreas-Gordon-Schule1 in Erfurt gewechselt und habe dort mein Fachabitur für Datenverarbeitung sowie anschließend die Allgemeine Hochschulreife erworben. 2018 habe ich dann mein Abitur abgelegt und bin direkt an die TU Ilmenau2 gegangen. Dort habe ich sehr schnell den sozialen Anschluss verloren. Ich habe mich immer weiter zurückgezogen. Das ging so weit, dass ich irgendwann niemanden mehr gekannt habe. Meine Freunde, die ich damals noch hatte, sind im ersten und zweiten Semester von der Uni gegangen. Aufgrund meines ADS und Autismus3 fiel es mir zunehmend schwer, in die Vorlesungen zu gehen. Folglich hatte ich auch immer mehr Probleme, dem Stoff zu folgen. Ich hatte Angst vor den Dozenten und auch vor den Kommilitonen. Sie haben mir nie etwas getan. Es fing mit Angst an und hat sich im Laufe der Zeit zu Scham gewandelt.

Im Rahmen des Informatik-Studiums mussten wir (wie später auch bei den Physikern) verschiedene Praktika durchführen. Das fängt bei Elektrotechnik an und geht über Rechnerarchitektur bis zum Softwareprojekt4. Bei keinem der Projekte habe ich mich gut angestellt. Wie es dort gelaufen ist, schreibe ich in dem Artikel dazu. Kurz davor habe ich durch eine verwirrte Seele jemanden beim Schach kennengelernt. Ohne ihn wäre ich heute wahrscheinlich nicht mal mehr hier. Er hat mir bis heute durch alle Phasen geholfen. Und es gab viele und sehr dunkle Phasen.

Es gab Wochen, in denen ich nur alle paar Tage die Wohnung verlassen habe, um einkaufen zu gehen. Der Einkauf war damals mein einziger sozialer Kontakt. An Arbeit oder Studium war nicht zu denken. Auch meine kognitiven Fähigkeiten ließen immer weiter nach. Das habe ich beim Schach und beim Versuch, das Studium zu retten, gemerkt: Ich konnte mich weder konzentrieren noch an irgendetwas erinnern. Das waren die ersten zwei Jahre meines Studiums. 2020 begann dann die Corona-Pandemie. Für mich war das ein großes Glück, auch wenn das im ersten Moment seltsam klingt. Die Vorlesungen fanden nur noch online statt, und das öffentliche Leben wurde so weit wie möglich heruntergefahren. Wegen der besonderen Umstände sind zwei Semester zwar regulär studiert worden, wurden aber nicht auf die Fachsemesterzahl angerechnet. Sie sind sozusagen unter den Tisch gefallen. Mit den Prüfungen war es ähnlich: Wir konnten sie ablegen, und wenn wir sie nicht bestanden haben, konnten wir sie ohne Nachteile annullieren. In dieser Zeit bin ich aus Haus Q im Studentenwohnheim ausgezogen und zu meiner Mutter gezogen.

Titelbild5: Photo by Furkan İnce from Pexels.

  1. https://www.ags-erfurt.de/ ↩

  2. https://www.tu-ilmenau.de/ ↩

  3. Autismus-Diagnose im Asklepios Stadtroda ↩

  4. Softwareprojekt ↩

  5. https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-baume-silhouette-draussen-4249282/ (abgerufen am 26.09.2026) ↩