Autismus-Diagnose im Asklepios Stadtroda
Mein Weg zu einer Autismus-Diagnose im Asklepios Stadtroda.

Ab dem 10. September 2026 war ich im Asklepios in Stadtroda. Ein Teil meines Aufenthalts war die Autismus-Diagnostik.
In den letzten Wochen hatte ich dafür einige Gespräche und musste verschiedene Fragebögen und Tests machen. In diesem Artikel möchte ich festhalten, was dabei gemacht wurde und wie ich die Diagnostik erlebt habe.
Wie es überhaupt zu meinem Aufenthalt gekommen ist, könnt ihr im Artikel Aufenthalt im Asklepios Stadtroda1 nachlesen.
Bei der Aufnahme wurde mir in dem Tool Minddistrict2 ein Account erstellt. Das ist eine E-Mental-Health-Plattform, auf der wir sowohl Fragebögen ausfüllten als auch Kurse machten, um uns selbst über die Erkrankung und das Krankheitsbild weiterzubilden. Persönlich fühlte sich die Oberfläche sehr wie Moodle an, mit einem Account, Fragebögen und einem Wissensmanagement-Bereich und im Allgemeinen einem Kurssystem.
Über die Plattform konnte ich auch jederzeit ein Gespräch mit meinem Therapeuten beginnen. Ich war sehr zufrieden, werde hier aber den Namen des Psychologen und der Oberärztin nicht nennen. Das liegt eigentlich nur daran, dass ich diese Daten schützen möchte.
Hier möchte ich kurz auf die verschiedenen Kurse der App eingehen.
Das Aufnahmegespräch war freundlich und warm, und ich hatte wirklich das Gefühl, dass mir jemand zuhört, was ich von Psychologen sonst nicht unbedingt gewohnt bin. Wir haben etwa 20 Minuten darüber geredet, warum ich da bin und wie der Aufenthalt abläuft. Allerdings kam auch das Thema zur Sprache, wie ich mich verhalten bzw. ändern musste. Ferner haben wir mit drei Wörtern das Gedächtnis getestet. Die Wörter waren Baum - Stuhl - Schlüssel.
Der CAT-Q erfasst, wie stark Menschen in sozialen Situationen ihr Verhalten anpassen oder verstecken (Masking). Im Originaltest sprechen Werte ab 100 Punkten für deutliche Hinweise auf Autismus. Neurotypische Männer erreichten dort im Durchschnitt etwa 97 Punkte.
Neben dem CAT-Q bearbeitete ich in den ersten Wochen eine ganze Reihe weiterer Verfahren. Einzeln sagen sie wenig, erst die Zusammenschau mit den Gesprächen und Beobachtungen ergibt ein Bild.
- ASA-A: Angstskala für Erwachsene mit Autismus. Ab etwa 28 Punkten spricht sie für eine ausgeprägte Angstsymptomatik.
- RBQ-3: Fragebogen zu repetitiven Verhaltensweisen. Ab 3 Punkten gelten sie als moderat, ab 4 als schwer ausgeprägt.
- TAS-26: Toronto-Alexithymie-Skala, sie misst Schwierigkeiten, eigene Gefühle zu erkennen und zu beschreiben. Ab 54 Rohpunkten gilt man als alexithym.
- RMET: Dabei sollen Gefühle allein an den Augen einer Person erkannt werden. Maximal sind 36 Punkte möglich.
- SPQ-35: Fragebogen zur sensorischen Empfindlichkeit, getrennt nach Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Berührung.
- SASKO: erfasst soziale Ängste und soziale Defizite.
- SCL-90, BDI-II und STADI: allgemeine Verfahren zu psychischer Belastung, Depression und Angst. Sie zeigen die aktuelle Belastung, aber nichts, was speziell auf Autismus hindeutet.
Das wichtigste Verfahren war das ACIA, ein strukturiertes Interview zur Autismusdiagnostik bei Erwachsenen. Es wird zweimal geführt, einmal mit der betroffenen Person und einmal mit einer Angehörigen oder einem Angehörigen, die oder der die Kindheit beschreiben kann. Gefragt wird nach sozialer Kommunikation und Interaktion sowie nach repetitiven Verhaltensmustern, Interessen und Aktivitäten, jeweils für das Erwachsenen- und das Kindesalter.
Zusätzlich wurden alte Schulzeugnisse gesichtet, weil darin oft schon früh etwas über das Verhalten in der Gruppe steht.
Autismus und ADHS treten häufig zusammen auf und lassen sich im Alltag schwer trennen. Deshalb wurde auch dazu getestet, unter anderem mit den Homburger ADHS-Skalen, den Conners-Skalen (CAARS), dem d2, dem KVT-C und dem Interview DIVA, das ebenfalls mit einer Bezugsperson geführt wird.
Am Ende der Diagnostik stand fest, dass ich die Kriterien einer Autismus-Spektrum-Störung erfülle, und zwar ohne Intelligenzminderung und ohne relevante Beeinträchtigung der Sprache (ICD-11: 6A02.0). Die ältere Bezeichnung dafür ist Asperger-Syndrom. Bei der ADHS-Diagnostik bestätigte sich außerdem, dass ich auch die Kriterien einer ADHS erfülle.
Die Diagnose stützt sich nicht auf einen einzelnen Test, sondern auf das Gesamtbild aus Gesprächen, Fragebögen, Interviews, den Beobachtungen auf Station und dem Blick auf meine Kindheit. Vor allem vier Bereiche spielten eine Rolle:
- Einschränkungen in der sozialen Kommunikation und Interaktion
- ein starkes Bedürfnis nach festen Abläufen und Schwierigkeiten mit Veränderungen
- ein ausgeprägtes Spezialinteresse, bei mir das Schachspielen
- deutliche Empfindlichkeiten, zum Beispiel bei Licht und Geräuschen
Für die Zeit nach dem Aufenthalt wurde mir empfohlen, mich zeitnah an ein auf Autismus spezialisiertes Zentrum und an eine ambulante Psychotherapie anzubinden. Außerdem soll geprüft werden, welche Unterstützung im Alltag und im Studium möglich ist.
Titelbild3: Photo by Tima Miroshnichenko from Pexels.
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https://asklepios-stadtroda.minddistrict.de/ (abgerufen am 25.09.2026) ↩
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https://www.pexels.com/photo/a-man-in-blue-polo-shirt-sitting-with-legs-crossed-on-a-chair-5336902/ (abgerufen am 25.09.2026) ↩