Mein Aufenthalt im Asklepios Stadtroda
Ablauf und Stationsalltag während meines Aufenthalts im Asklepios Stadtroda.

In den letzten Jahren hatte ich viele Probleme im Leben. Ich möchte hier retrospektiv betrachten, wie ich im Asklepios gelandet bin und wie mein Aufenthalt dort ablief. Geschrieben ist der Bericht in der Ich-Perspektive. Ich bin kein Psychologe und schon gar kein Arzt. Ich schreibe daher nur über Sachen, die ich mir angelesen habe. Wenn ihr ähnliche Probleme habt, kann ich euch das Asklepios sehr ans Herz legen. Mit allen vier Klinikaufenthalten war ich knapp 3,5 Monate in Behandlung. Das ist eine lange Zeit. In dieser Zeit wurden viele Differentialdiagnosen ausgeschlossen und andere näher betrachtet. Welche Tests dafür gemacht wurden und wie die Diagnose am Ende aussah, schreibe ich in einem eigenen Beitrag: Autismus-Diagnose.
2024 war ich für 6 Wochen im Ökumenischen Hainich Klinikum (ÖHK)1. Dort wurde bei mir eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert, mit dem Vermerk, dass ich eine autistische Störung habe. Das war mir da schon bekannt, aber es war die erste öffentliche Instanz, die mir das gesagt hat. Das ÖHK konnte das nicht feststellen, verwies mich aber an das Asklepios2 in Stadtroda. Die Wartezeit zwischen “Bewerbung” und dem tatsächlichen Aufenthalt lag bei circa 1,5 bis 2 Jahren. Ich kann das gut nachvollziehen: Die Station ist stark frequentiert und schließt an die allgemeine psychologische Station an. Mir wurde mal gesagt, dass hier kein Bett kalt wird. Ich kann das bestätigen.
Circa 1-2 Monate nach der Anmeldung bekam ich einen Fragebogen. Dieser hatte ungefähr 10 Seiten. Meine Mutter hatte auch einen eigenen von ähnlichem Umfang bekommen. Es war ein Vorscreening-Fragebogen zur Indikationsüberprüfung. In diesem wurde so ziemlich alles abgefragt, was für eine Diagnostik notwendig ist. Das beginnt bei aktueller Medikation und geht über das aktuelle Verhalten und das Verhalten in der Kindheit. Ich schreibe über diesen Fragebogen nach etwas mehr als 2 Jahren. Bitte seht mir nach, dass ich nicht mehr alle Fragen kenne.
Als ich den Fragebogen abgeschickt hatte, habe ich lange nichts mehr gehört. Etwa 2 Monate vor der Aufnahme schrieb mir das Asklepios und teilte mir den Aufnahmetermin mit. Am 10.09. konnte ich dann nach Stadtroda fahren. Ich wurde direkt freundlich in der ZAP3 aufgenommen und auf Station gebracht.
Die Zimmer sind großzügig geschnittene Zweibettzimmer mit einer Nasszelle. Ein Unterschied zu anderen Psychiatrien ist die Größe. Das Asklepios ist deutlich kleiner. Was ich etwas vermisse, ist ein Lebensmittelladen auf dem Gelände, allerdings sind fußläufig der Netto und der Norma erreichbar. Bitte nicht dem Navi folgen, sondern der Hauptstraße (Stadtroda ist sehr hügelig).
Wenn man hier ankommt, hat man zuerst keine Therapien. Man soll sich erst mal in Ruhe ankommen und sich dann an die Therapien gewöhnen. Der entschlackte Alltag hat mir sehr zu schaffen gemacht. Aufstehen um 06:30 finde ich bis heute viel zu früh. Ich bin aber noch nie gerne früh aufgestanden :)
Nach dem Frühstück finden die meisten Therapien statt. Zum Abendessen eines jeden Tages bekommt man einen Zettel, auf dem die Therapien für den nächsten Tag stehen. Im Großen und Ganzen sind die meisten Therapien Ergotherapie und Physiotherapie neben der Diagnostik. Ich habe relativ viel Freizeit, was daran liegt, dass ich mich für keine zusätzlichen Therapien begeistern konnte. Es wurde aber genug angeboten.
Hier gibt es keine zentrale Essensausgabe für alle Stationen, sondern es wird auf den einzelnen Stationen gegessen. Um 07:30 gibt es Frühstück, um 11:30 im Aufenthaltsraum Mittagessen aus der Stationsküche, um 15:30 Kaffee und um 18:00 Abendessen. Das Essen ist ausreichend, und wenn ich das sage, wird wohl jeder satt.
In der Ergotherapie habe ich Enkaustik ausprobiert. Dazu nimmt man Fotopapier, ein heißes Bügeleisen und Wachsstifte. Die Stifte lässt man auf dem Bügeleisen schmelzen und erzeugt darüber ein Muster bzw. ein Bild auf dem Papier. Ich muss aber zugeben, dass ich so wenig künstlerisch oder motorisch begabt war, dass ich immer sehr froh war, wenn die Stunde vorbei war. Es gab noch andere Angebote, aber mit zwei linken Händen liegt mir das alles nicht wirklich.
Die zweite Therapieform ist die Physiotherapie, also Sport. Auch hier habe ich mich wahrscheinlich unglaublich schlecht angestellt. Auf dem Stepper hatte ich nach kurzer Zeit Probleme mit den Knien. Allerdings hat das Radfahren recht viel Spaß gemacht. Es war ein Liegerad und man konnte dort den Widerstand selber einstellen.
Am Montag haben wir eine Zimmervisite, wo alle wichtigen Leute wie Pflegeteam, Psychologen und die Ärztin zu mir ins Zimmer kommen und mit mir und meinem Bettnachbarn sprechen. Die Person, die jeweils nicht dran war, musste so lange draußen warten. Das waren nie mehr als 5 Minuten. Mittwochs war die Schwesternvisite, dort haben wir besprochen, welche anderen Therapieformen wir noch wollten (wie bspw. Trommeln, tiergestützte Therapie, Akupunktur und so weiter) und wie es uns geht. Anschließend sagte jeder, ob er am Wochenende nach Hause geht oder nicht. Man kann ab dem zweiten Wochenende eine Nacht nach Hause fahren.
Die Stationsärztin ist gut und ambitioniert. Ich bin mit sehr hohem Blutdruck angekommen. Ich musste täglich messen, an manchen Tagen sogar mehrmals täglich. Auch den Blutzucker hat sie überwachen lassen. Täglich dreimal stechen war nicht sehr angenehm, aber notwendig.
Dem Psychologen bin ich sehr dankbar. Er war der erste Psychologe, der mir zugehört hat. Wir hatten in der Regel pro Woche 2-3 Termine, die jeweils circa eine Stunde gedauert haben. Dazu hat er mir so viele digitale Tests gegeben, dass ich wirklich sehr lange beschäftigt war. Er hat sich alle meine Schulzeugnisse durchgelesen und auch alles, was ich für die Diagnostik sonst noch dabei hatte.
Das Pflegepersonal gibt sich wirklich Mühe. In der Regel sind 2 Pfleger für die ganze Station da. Meiner Meinung nach reicht das. Wir sind ungefähr 25-30 Leute. Sie kümmern sich um die Pflege und die Essensausgabe und all unsere anderen Probleme. Auch kann man einzelne für eine Runde Schach begeistern. Auch bei anderen Patienten hat die Pflege versucht, die Leute aktiv zu halten.
Der Asklepios-Bereich hat einen großen Garten mit Wegen und Bäumen. In den letzten Tagen saß und lag ich oft darin. Immer schön mit Sonnenbrille.
Am Ende wurden bei mir ADS und Autismus diagnostiziert. Wie es genau dazu kam und welche Tests dafür nötig waren, schreibe ich wie gesagt in einem eigenen Beitrag: Autismus-Diagnose.
-
https://www.oehk.de/ (abgerufen am 25.09.2026) ↩
-
https://www.asklepios.com/stadtroda (abgerufen am 25.09.2026) ↩
-
ZAP = Zentrale Aufnahme Psychotherapie ↩